Sie sind hier: PROJEKTE / Geburtshelferkröte
Montag, 23.10.2017

AUFZUCHTSTATION FÜR DIE GEBURTSHELFERKRÖTE

 

Das Projekt am Naturschutzzentrum Bruchhausen zur Rettung der Geburtshelferkröte

 

Infoflyer

Die Art: Geburtshelferkröte, Alytes obstetricans

 

 

 

 

 

 

 

 

Engelmann, 1993. Lurche und Kriechtiere Europas.

Links oben: weibliches Tier,

rechts unten männliches Tier mit Laichschnüren

Ruf der Geburtshelferkröte

Merkmale

Eine erwachsene Geburtshelferkröte erreicht eine Körperlänge zwischen 3,5 und 5,5 cm. Ihr Körper ist gedrungen, ihr Kopf relativ flach und breit mit einer zugespitzten Schnauze, die Hinterbeine sind relativ kurz. Die Körperoberseite ist grau bis grau-braun und mit kleinen, teils rötlichen Warzen besetzt. Die Körperunterseite ist schmutzigweiß und teils grau gefleckt. Ohrdrüsen und Trommelfell sind bei den Geburtshelfern gut sichtbar, ihre Pupillen stehen senkrecht.

Nahrung

Insekten, Asseln, Nacktschnecken, Würmer

Fortpflanzung

Die Fortpflanzungsbiologie der Geburtshelferkröten ist einzigartig und macht diese Art besonders interessant. In der Balzzeit, Ende März bis Anfang April, ertönen die meist nächtlichen Rufe an Land. Ihr Klang gleicht einem sehr hellen, flötenreinen "Ü...ü...ü..". Dieser kleine, äußerlich unscheinbare Froschlurch wird wegen seines Rufes, der im Chor an ein Glockenspiel erinnert, auch Glockenfrosch genannt. Bei der Paarung, die ebenfalls an Land erfolgt, wickelt sich das Männchen die Laichschnur, bestehend aus ca. 80 gelblich-weißen Eiern um die Fersengelenke. Es trägt die Eier nun drei bis sechs Wochen bis kurz vor dem Schlupf der Kaulquappen mit sich herum. Das Männchen achtet dabei stets darauf, Orte mit geeignetem Kleinklima für die optimale Entwicklung der Larven aufzusuchen (daher kommt der Name Geburtshelferkröte). Die Larven sind bei ihrem Schlupf etwa 15 mm lang und relativ weit entwickelt. Ihre Umwandlung zum erwachsenen Tier erfolgt oft erst im nächsten Jahr mit ca. 5 bis 8 cm.

Lebensraum

Die Landlebensräume der erwachsenen Geburtshelferkröte sind durch sonnenwarme aber auch bodenfeuchte Verstecke unter Steinplatten Wurzeln oder in Erdlöchern gekenn­zeichnet. Die bevorzugten Kaulquappengewässer sind vegetationsarme Tümpel in der Nähe der Landhabitate (die Distanz zwischen Larvengewässer und Tagversteck beträgt gewöhnlich nicht mehr als 100 m). Diese Bedingungen finden sich in Deutschland vor allem in Steinbrüchen und anderen Biotopen aus zweiter Hand (Sekundärlebensräumen).

Ursprüngliche (natürliche) Lebensräume der Geburtshelferkröte waren vermutlich unverbaute Fluss- und Bachufer der Hügel- und Gebirgsregionen mit großflächigen Abbruchkanten, Schuttkegeln, Kolken (tiefe Löcher im Bach) und Geschiebetümpeln.

Verbreitung

Das Hauptverbreitungsgebiet der Geburtshelfer liegt in Deutschland in den west­deutschen Mittelgebirgen, bei uns also in der Region Niederberg und Bergisches Land. Das Rheintal besiedelt die Geburtshelferkröte nicht.

Gefährdung und Schutz

Geburtshelferkrötenbestände werden vor allem von Lebensraumverlust bedroht, wie er durch Verfüllung von Tümpeln, durch Rekultivierung oder Umnutzung von Mauer- und Felsbiotopen, Steinbrüchen und Tongruben, aber auch durch natürliche Sukzession (insbesondere: Verbuschung und Bewaldung) der Pionierbiotope entsteht. In Folge der Verinselung der Habitate (alle Lebensräume liegen wie Inseln isoliert weit voneinander entfernt), beispielsweise durch Dörfer, Städte, Straßen oder intensive Landwirtschaft, werden Populationen voneinander isoliert und sterben dann durch Inzucht aus.

Seit den 1980er Jahren wird unter anderem im Bergischen Land ein dramatischer Bestandsrückgang bei der Geburtshelferkröte außerhalb von Abgrabungsgebieten verzeichnet. Obwohl hier ursprünglich ein Verbreitungsschwerpunkt der Geburtshelferkröte in Nordrhein-Westfalen lag, sind die meisten Populationen zum Beispiel an Gehöften, Mühlen-, Lösch- und Schönungsteichen inzwischen erloschen.

 

Gesetzlicher Schutzstatus

Die Geburtshelferkröte ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt, denn die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) führt sie im Anhang IV. Somit gilt der strenge Schutz auch in ganz Europa.

 

Literatur

GROSSENBACHER , K. & S. ZUMBACH (Hrsg.) Die Geburtshelferkröte - Biologie, Ökologie Schutz. - Zeitschr. f. Feldherpetologie 10 (1): 158 S.

GÜNTHER, R. & U. SCHEIDT (1996): Geburtshelferkröte – Alytes obstetricans. In Günther, R. (Hrsg.): Die Amphibien und Reptilien Deutschlands. Gustav Fischer Verlag, Jena.

KORDGES, T. (2003): Zur Biologie der Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) in Kalksteinbrüchen des Niederbergischen Landes (Nordrhein-Wetfalen).- In: GROSSENBACHER , K. & S. ZUMBACH (Hrsg.) Die Geburtshelferkröte - Biologie, Ökologie, Schutz. - Zeitschr. f. Feldherpetologie 10 (1): 105-128.

SCHLÜPMANN, M. & A. GEIGER (1998): Arbeitsatlas zur Herpetofauna von Nordrhein-Westfalen 1998. - .Projekt Herpetofauna NRW 2000 - Ergebnisbericht Nr. 8.

WEBER, G. (2003): Verbreitung und Bestandssituation der Geburtshelferkröte in Nordrhein-Westfalen. - In: GROSSENBACHER , K. & S. ZUMBACH (Hrsg.) Die Geburtshelferkröte - Biologie, Ökologie Schutz. - Zeitschr. f. Feldherpetologie 10 (1): 61-66

 

Das Projekt am Naturschutzzentrum

Am Naturschutzzentrum Bruchhausen entsteht derzeit eine Station zur geschützten Vermehrung der Geburtshelferkröte. Hierzu wird eine Freilandanlage entwickelt mit optimalen Lebensbedingungen für die Tiere. Durch das Ausschalten bzw. die Kontrolle der möglichen Fressfeinde, von Krankheiten und durch ausreichende Nahrung in diesem Bereich können hier höhere Zahlen von fortpflanzungsfähigen Nachkommen erzielt werden als in der freien Natur. Ein Teil der so gewonnenen Nachzuchten wird zur Wiederansiedlung verwendet. Einstige Lebensräume der Geburtshelferkröte sind in den letzten Jahren durch gezielte Biotopgestaltung optimiert worden und sollen nun mit Tieren aus der Nachzucht "wieder belebt" werden.

 

Presse

Rheinische Post Oktober 2007

 

 

Unterstützung und Zusammenarbeit 

Das Projekt am Helmholtzgymnasium

Innerhalb des Projektes zur Rettung der Geburtshelferkröte besteht eine enge Kooperation mit der "Jugend-forscht-Gruppe" aus dem Helmholtzgymnasium in Hilden. Im Innenhof der Schule sind ein "grünes Klassenzimmer" und im Keller ein Winterlabor entstanden, wo von den jungen Forschern Geburtshelferkröten gehalten und in ihrer Lebens- insbesondere Fortpflanzungsweise studiert werden. Auch von hier werden Tiere aus der geschützten Aufzucht in neue Lebensräume der Natur umziehen.
Am 28.02.2008 wurde zwischen dem Helmholtzgymnasium und dem Naturschutzzentrum ein Kooperationsvertrag unterschrieben, der die Zusammenarbeit der beiden Einrichtungen nicht nur in diesem Projekt stärkt.

 

Die Kooperation mit dem Zoo Wuppertal

Der Förderverein des Zoologischen Gartens Wuppertal unterstützt die Schutzaktion mit einer großzügigen Spende. Im Zoogelände selbst soll der Wassergraben der neu errichteten Löwenanlage, als Pendant zu der Aufzuchtstation am Naturschutzzentrum, als neuer Sekundärlebensraum für Kaulquappen der Geburtshelferkröte dienen. Der Graben gilt von der Voraussetzungen her als guter und sicherer Standort. Für abwandernde Jungtiere ist ein geeigneter Lebensraum in unmittelbarer Nähe vorhanden.

 

Übergreifende Zusammenarbeit

Unser Projekt geht Hand in Hand mit den Bemühungen der Naturschutzbehörde des Kreises Mettmann (ULB) und den Naturschutzorganisationen die den Lebensraum der Geburtshelferkröte durch gezielte Pflegemaßnahmen erhalten.

Das Land Nordrhein-Westfalen, der Kreis Mettmann und diverse Spender unterstützen das Projekt am Naturschutzzentrum Bruchhausen mit Geld.

Einzelheiten hierzu erfahren Sie bei Kontaktaufnahme mit uns.